Sunday, March 31, 2019

Ghosts along the dead track

10:05:00 PM

Karte einer Eisenbahnstrecke

Ein Beitrag von: Zorana Musikic

In Ghosts along the dead track mache ich mich auf die Suche nach den Geistern der Geschichte, entlang der Schienen der Polarkreiseisenbahn, einem der größenwahnsinnigsten Bauprojekte Stalins, als strategische Bahn geplant, die zu einem geplanten sowjetischen Kriegsmarine-Stützpunkt führen sollte – für den Fall eines Angriffs der USA über die Beringstraße.

1459 km lang sollte die Strecke Tschum–Igarka werden und vom Ob bis zum Jenissei über den Permafrostboden führen. Von 1947 bis 1953 arbeiteten geschätzt 300.000 Gulag-Gefangene am Bau der Bahn, die einem Drittel dieser Menschen ihr Leben gekostet haben soll – bei neun Monaten Schnee im Jahr und Temperaturen bis -50 °C. Das Gulag-Projekt trug die Bezeichnungen Nummer 501 und Nummer 503.

Landschaft

Bis zu Stalins Tod im Sommer 1953 wurden knapp 600 km der Trasse fertiggestellt. Der Weiterbau wurde vom Kreml umgehend gestoppt und nur das knapp 200 km lange Teilstück Tschum–Labytnangi in Betrieb genommen. In den sechziger Jahren erhielt die Teilstrecke Nadym–Urengoi große Bedeutung, als bei Urengoi das zweitgrößte Erdgasvorkommen der Welt entdeckt wurde. Die verlassene Strecke wurde reaktiviert und bis zum Hafen von Jamburg am Ob-Busen verlängert. Alle anderen Teilabschnitte fielen in einen eisigen Dornröschenschlaf.

Hier bin ich letzten September gestartet, südlich der Stadt Nadym, wo der gleichnamige Fluss von einer Reihe von Pipelines gekreuzt wird, die von den nordwestsibirischen Erdgas- und Erdölfeldern in den europäischen Teil Russlands bzw. weiter nach Westeuropa führen und bin entlang der Bahntrasse bis zum ehemaligen Bahnhof und Lager Jarudei gelangt.

Bahnstrecke über einem See

Begleitet hat mich Vadim Gritsenko, Historiker aus Nadym und ein sibirischer Don Qixote der Polarkreisbahn. Seit Jahrzehnten arbeitet er daran, ein Museum, eine Gedenkstätte aufzubauen, sammelt Artefakte, dokumentiert, schreibt Bücher, versucht die Behörden von der historischen Relevanz zu überzeugen – erfolglos.

Immer noch liegt der größte Teil der Polarkreiseisenbahn nie genutzt, verfallen und von der Vegetation überwuchert in der sibirischen Tundra – die meiste Zeit des Jahres verborgen unter einer Schneedecke. Noch zeugen entlang der Trasse Wachtürme, Lager und Gräber von der Geschichte des Baus. Jahrzehntelang hat sich außer ein paar Abenteurer*innen – und Vadim – niemand für die Strecke interessiert.

Birken im HerbstKaputte Eisenbahngleise

Doch 2011 bekam ein spanisches Unternehmen den Auftrag für den Bau des 390 km langen Abschnitts Labytnangi–Nadym. Damit soll, fast 70 Jahre später, der mittlere Teil des sogenannten Abschnitt „501“ von Stalins „Toter Trasse“ in Betrieb genommen werden. Der Wiederaufbau umfasst auch den Bau einer 2,5 km langen Ob-Brücke und der 1,3 km langen Brücke für Auto- und Schienenverkehr über den Nadym. Im September 2015 wurde die Autobrücke eröffnet.

Auch die Deutsche Bahn steht derzeit in Verhandlungen, an dem 4 Milliarden Euro schweren Großbauprojekt teilzunehmen. Die Bahnlinie wird dem Abtransport von Erzen, Öl und Gas dienen, 24 Millionen Tonnen Rohstoffe sollen hier jährlich über die Gleise rollen. Eine Fertigstellung der gesamten Bahnstrecke Salechard–Igarka ist ebenfalls für die nahe Zukunft geplant, um die großen Bodenschätze der arktischen Gebiete besser erschließen zu können.

MännerportraitFrauenportrait

Mit den neuen Bauvorhaben und dem Sterben der letzten Zeitzeug*innen beginnen nun auch die letzten topografisch verortbaren Zeugnisse zu weichen – und werden innerhalb weniger Jahre vom neuen Bahnprojekt überschrieben sein.

„Ghosts along the dead track“ ist daher eigentlich ein antizyklischer Lauf aus der Gegenwart in die Vergangenheit gegen die Zeit – ein Versuch, die jahrzehntelang im Eis der sibirischen Tundra konservierten Überreste von Stalins „großartigem Plan zur Transformation der Natur“ zu dokumentieren, während das neue multinationale Bahngroßprojekt schon begonnen hat, sich seinen Weg über den Permafrostboden zu bahnen.

Holzkreuze auf dem Boden

Die Arbeit reflektiert mit künstlerischen Mitteln die fortlaufende Geschichte menschlicher Hybris und ihrer Opfer – entlang der Strecke einer Eisenbahn: von Stalin über Putin zu Gazprom, von der Sowjetunion bis zu unserer heutigen globalisierten Welt, vom Kalter Krieg bis zur Klimaerwärmung. Es wird eine Arbeit über Mensch und Natur, über Zivilisation und Fortschritt, über Industrie und Kapitalismus sein; eine Reise durch die menschenleere Tundra, der Heimat nomadisch lebender Menschen bis hin zu den Industriestädten und Gasfeldern der größten Erdgasvorkommnissen der Erde.

In einem Arrangement aus Inszenierungen, Portraits und dokumentarischen Aufnahmen, aber auch gesammelten Texten, Archivfotografien und -dokumenten möchte ich nicht nur die Geschichte der Stalinbahn erzählen, bevor sie vom nächsten Kapitel der Geschichte für immer überschrieben wird, sondern auch die unserer globalisierten Gegenwart.

Holzhäuser im Wald

Nun steht meine zweite Reise bevor – entlang der westlichen Hälfte der Linie 501, beginnend bei Salechard durch den sibirischen Winter. Die Eisenbahnstrecke soll dabei wieder die räumliche Achse meiner Reise vorgeben – ein kleines Teilstück ist mit dem Zug befahrbar, die restliche Strecke ist nur per Trekol, einer Art Monster-Jeep, zurücklegbar.

Dieses Mal habe ich die Chance, mich im April für eine Woche nomadisch lebender Menschen anzuschließen, mit ihnen und ihrer Rentierherde von über 10.000 Tieren zwischen Salechard und Nadym sowie auf der Jamal-Halbinsel unterwegs zu sein und ihren Alltag zu dokumentieren. Danach wird mich die Reise entlang der Bahn nach Nowy Urengoi führen, einem der wichtigsten Standorte von Gazprom. Und schließlich möchte ich versuchen, das alte Lokomotivdepot in Jermakowo zu erreichen.

Ermöglicht werden mir die beiden Reise durch das Grenzgänger-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung. Für die zweite Reise habe ich eine Co-Finanzierung durch Crowdfunding gestartet, da das Stipendium zwar die „normalen“ Reisekosten sowie Unterkunft und Verpflegung abdeckt, aber nicht die Ausgaben, die nötig sind, um überall dorthin zu kommen, wo man mit regulären Verkehrsmitteln unterwegs im arktischen Eis nicht hinkommt.


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Do as I Say, Not as I Do

8:13:00 PM

Do as I Say, Not as I Do

There are countless mistakes to be made and lessons to be learned as an outdoor photographer. Not everyone should need to make all those mistakes firsthand. There's plenty to go around.

Let me stipulate at the outset that I've made my fair share of mistakes over the years. Sometimes, everything seems to work out perfectly. Other times, not so much. And while I haven't made every possible mistake over the years, there have been times when it seemed as if I must be trying to. There had to have been some explanation.

Regular readers here may already be familiar with at least some of my goofs as I've written about them before. Suffice it to say, I've done things I wish I hadn't. The details are available for the interested, whether motivated out of sympathy or to have a chuckle at my misfortune. Or perhaps so you don't make the same mistakes I have.

Don't sit so close to the edge of a precipitous cliff that you aren't prepared to risk falling off. No, I never have fallen off, but I did come a bit too close for comfort many years ago when trying to finesse my tripod just a bit nearer. That was all it took to learn that lesson. Some shots are just not worth it. Falling a few hundred feet to a rocky shore below would more than just hurt. Definitely something I personally prefer to avoid, if you know what I mean.

On the other hand, if you find that you blew out the highlights in a shot, you hopefully will have time to notice the problem, make the necessary adjustments and reshoot. Cool. I mean, I don't want to give the impression that all mistakes are life threatening. Some may be embarrassing perhaps, or at least frustrating, but you can still be better off learning to avoid them.

Don't forget your tripod on the kitchen counter when leaving home for a weekend photo outing. Tripods are essential things for shooting at the edges of light when the landscape is bathed in the colors of sunset and twilight. Or when the stars come out. That sure did mess up my plans, I can tell you.

And don't let go of your tripod when shooting from a bridge over a deep gorge if there's any chance of sudden wind gusts. Chances can become realities, and cameras don't like doing a faceplant in the middle of a concrete roadway. Murphy's law doesn't play favorites, even for photographers working to get an amazing shot. Oh, and camera repairs can be expensive. There's another lesson learned. Tripods are cheaper to repair, but I'm better all of us can find things they'd rather spend money on.

No need to move on to my litany of non-tripod related mistakes. You probably get my general idea.

Now, you might think knowing these sorts of lessons should be common sense. Yes and no. Indeed, I already knew pretty well not to do all of these dumb things, and yet at some point over my involvement in photography, I've done them anyway. I had other things on my mind, it would seem. Lesson learned. Hopefully, I won't do the same thing again, or at least not again too soon.

You see, it's not possible to avoid all mistakes. And it's not even that we clearly aren't perfect. Mistakes happen. Score another one for Murphy's Law and all that. Seems to me all the more reason to pay attention and try to use your best judgement.

Most outdoor organizations stress remembering the "ten essentials" including first aid supplies, flashlight, adequate food and water, and so on. The exact list varies, and some have thirteen or other item counts. If you are shooting outdoors, consider yourself part of the target audience. Don't go out with your camera if you're not properly prepared to go out at all. There are some lessons you are better off not learning first hand.

But here's the thing. If mistakes never do happen to you, you're doing something wrong, or at least not making the most of your opportunities. As the old saying goes, if you're not making some mistakes, it probably means you're not trying hard enough. If you keep pushing yourself to do better, you are bound to make mistakes. When trying something new, it's important to understand that mistakes sometimes come with the territory. Once you've mastered that new skill, it is hoped that the chances of a mistake should naturally decrease. And you can move on to different mistakes.

But that's not a license to throw caution to the wind. If you find yourself unsure of how best to proceed, try this simple test: can some given choice be undone, and if so, at what cost? If you fall off a cliff, it probably can't be undone unless you expect to grow wings on the way down. If your camera falls on the ground, it can be repaired, but it's gonna cost you. If you leave your tripod behind, it depends on how far you have to go to retrieve it. Either that, or it will put a major crimp in what subjects you can shoot without it.

When you know you have a choice to make, this can give you a yardstick to judge alternatives and avoid ones that seem too dangerous or iffy. Put in another way I suppose; don't do something you might regret. This might not save you from absentmindedly leaving your tripod behind someday but could save you or your gear from a nasty fall if you keep it in mind.

So, don't do as I do (or at least did). Do as I say. You'll no doubt still make your own mistakes anyway of course. There's probably nothing I can do to stop you.

But do be careful out there.

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31. März 2019

4:03:00 AM

Das Bild des Tages von: Klaus


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Saturday, March 30, 2019

browserfruits 13.2019

10:05:00 PM

Bevor Ihr gleich die frischen Links durchstöbert, überlegt doch einmal, ob Ihr nicht auch einen Artikel bei kwerfeldein veröffentlichen möchtet. Wir bekommen zwar bereits täglich Gastartikelanfragen, wissen aber auch, dass sich viele völlig unbegründet gar nicht trauen, ihre Arbeiten einzureichen. Dabei freuen wir uns sehr, Neues zu entdecken. Wie ein Gastartikel funktioniert, erfahrt Ihr hier.

 

Linktipps

• Wie ist es, ein Kind mit Trisomie 21 zu haben? Snezhana von Büdingen hat Mütter mit ihren Kindern portraitiert, die von den Herausforderungen des Alltags berichten. Und den Glücksmomenten. → ansehen

• Großartige Luftaufnahmen: Die prämierten Fotos des Drone Photo Contest werden auf Bored Panda gezeigt. → ansehen

• Diese Seite hat historische Aufnahmen von gleichgeschlechtlichen Paaren gesammelt, um die Liebe zu feiern und zu zeigen, dass es Homosexualität schon immer gab. → ansehen

• Bei der Gender Spectrum Collection handelt es sich um eine Stockbibliothek mit trans- und nichtbinären Modellen, die den Medien dabei helfen soll, Mitglieder dieser Gemeinschaften besser zu vertreten. → ansehen

• Vogue berichtet über David Bailey und seine limitierte Retrospektive, die beim Verlag Taschen erscheint. → ansehen

• Vice hat ein Interview mit dem Magnumfotografen Alec Soth, der sich in seiner Fotografie gerade umorientiert und weg von kommerziellen Fotos möchte. → ansehen

• In Paris wurden in dieser Woche das neue Huawei P30 und P30 Pro vorgestellt. Auf t3n gibt es einen sehr technischen Artikel, der sich vorrangig mit den Kameras und der neuen Technik dahinter befasst. → ansehen

• Markus Hofstaetter bietet Passfotos auf Kollodium-Nassplatte an. Wie er das macht, erklärt er in seinem Blogbeitrag. → ansehen

• Der weißen Minderheit gehört das mit Abstand meiste Farmland in Südafrika. Ist das gerecht nach den Jahren des rassistischen Apartheid-Regimes? Diese Frage hat das Land tief gespalten. Emerge zeigt eine Fotoreportage von Lando Hass und Lucas Bäuml. → ansehen

• Anton Gorlin gibt auf My Modern Met Tipps für Wüstenfotografie. → ansehen

 

Buchempfehlungen

„Auschwitz. Fall of the Modern Age“ : Das Projekt „Auschwitz – Ultima Ratio of the Modern Age“ ist eine fotografische Untersuchung der Zusammenhänge zwischen der Moderne und dem Holocaust. Die visuelle Analyse erfolgt dabei anhand der Architektur und Infrastruktur des größten Vernichtungslagers im Dritten Reich: Auschwitz-Birkenau. Das Buch ist im Mitteldeutschen Verlag erschienen und kostet 30 €.

„Extreme Wildlife Makrofotografie“ : Insekten und Spinnen gekonnt in Szene zu setzen, ist einer der anspruchsvollsten Bereiche der Makrofotografie. In diesem Buch lernt Ihr, wie Ihr mit enormen Vergrößerungen genauso atemberaubende Bilder festhalten könnt wie der Autor Alexander Mett. Viele praktische Tipps zur optimalen Ausrüstung, zu Kameraeinstellungen, Top-Locations in Deutschland und wie Ihr ein Focus Stacking macht, runden das Buch ab. Es ist im Verlag Bildner erschienen und kostet 39,90 €.

 

Ausstellungen

Tish Murtha: England ’78–’81
Zeit: 30. März – 12. Mai 2019
Ort: Freundeskreis Willy-Brandt-Haus, Stresemannstr. 28, 10963 Berlin

Distant Islands: Fotografien zum Brexit
Zeit: 30. März – 12. Mai 2019
Ort: Freundeskreis Willy-Brandt-Haus, Stresemannstr. 28, 10963 Berlin

Joachim Brohm / Alec Soth: Two Rivers
Zeit: 29. März – 7. Juli 2019
Ort: NRW-Forum Düsseldorf, Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf

Lauren Greenfield: Generation Wealth
Zeit: 30. März – 23. Juni 2019
Ort: Haus der Photographie / Deichtorhallen, Deichtorstr. 1–2, 20095 Hamburg

Anja Niedringhaus – Bilderkriegerin
Zeit: 29. März – 30. Juni 2019
Ort: Käthe Kollwitz Museum Köln, ⁢Neumarkt 18–24, ⁢50667 Köln

 

Drüben auf Instagram

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@gamergram.gg – Ohne Kamera fotografieren? In vielen Computerspielen ist dies möglich. Diese Instagramseite sammelt die besten virtuellen Aufnahmen aus verschiedensten Spielen.

 

Videos

Ihr habt noch eine Gameboy-Kamera? Dann kombiniert sie doch mal mit den Instax-Sofortbildern. Wie? Lomtro erklärt es.

 

Ein Videoportrait über Fred Baldwin und Wendy Watriss, die sie sich Ende der 1960er trafen und als Paar beschlossen, sich beruflich auf die USA und speziell auf den ländlichen Süden zu konzentrieren.

 

Das Titelbild stammt von Julius Drost. Vielen Dank!


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